Chorleiter

Torsten JoligTorsten Jolig, Jahrgang 1981, studierte Mathematik und Informatik. Er arbeitet als Softwareentwickler in Leipzig. Ursprünglich wollte er gern Sänger oder Musiklehrer werden, entschied sich dann aber doch, die Musik beim Hobby zu belassen. Im Interview erzählt er über sich und seine vielen Sängerinnen.

Frage: Wie kamst du zur Musik?

Torsten Jolig: Schon als Kind und Jugendlicher hatte ich Klavier-, Orgel- und Gesangsunterricht. An der Max-Klinger-Schule in Leipzig lernte ich den Lehrer Frank Hirsch kennen, der an meinem musikalischen Werdegang sehr stak beteiligt war. Ich war als Sänger in Chören in ganz Deutschland unterwegs. Dazu zählen zum Beispiel die Robert-Franz-Singakademie in Halle unter Leitung von Gotthart Stier oder der Chemnitzer Mottetenchor unter Leitung von Peter Krone. Zudem konnte ich musikalische Erfahrungen bei David Timm und Matthias Eisenberg sammeln. Im Max-Klinger-Chor sang ich 20 Jahre lang bis 2013.

Trotzdem hast du 2004 CHORios gegründet?

Ja, eines Tages kam ich an den Punkt, an dem mir Singen in einem Chor nicht mehr genügte, ich wollte gern etwas Eigenes schaffen. So kam es zur Gründung dieses Frauenchores. Auf den Namen CHORios kamen wir nach vielen anderen Ideen und dieser gefiel uns auf Anhieb. Anfangs sah es so aus, als würde sich eine reine Studentengruppe bilden, aber mit der Zeit entstand eine Mischung aus Studentinnen und berufstätigen Frauen, die mit viel Freude singen. 

Ein Mann und 30 Frauen - geht das gut?

Na ja, ich will es mal so formulieren: Als Hahn im Korb studiere ich montags mit viel Freude neue Titel ein und versuche damit meine Begeisterung für die Musik an unsere „choriose" Gruppe weiterzugeben. Und das macht mir viel Spaß. Es ist natürlich manchmal schwierig, mit so vielen Frauen zu arbeiten, es kann schnell ein Hühnerhaufen werden, wenn ich das so sagen darf. Deshalb nehmen „wir" uns regelmäßig vor, in der Probe doch nicht soviel zu schwatzen. 

Geprobt wird in der Lindenauer Helmholtzschule...

... was vielseitige Möglichkeiten bietet. In den Fluren des Altbaus klingen vor allem "a cappella"-Titel viel besser. Der Klang hat mir schon manchmal geholfen, den Chor von einem eher unbeliebten Lied zu überzeugen. Diese Taktik ist allerdings nicht allzu oft nötig, schließlich singen die Frauen alle mit großer Begeisterung. Außerdem dominieren die modernen und spirituellen Klänge den Probenalltag. Aber auch klassische Titel, besonders zur Weihnachtszeit, gehören zum Repertoire.

Wie schätzt du die Entwicklung des Chores in den vergangenen zehn Jahren ein?

Der Chor hat sich gesteigert, ganz klar. Natürlich geht es bei uns um den Spaß an der Freude, aber wichtig sind trotzdem Sängerinnen, die das Ensemble musikalisch tragen. Davon hatten wir am Anfang noch nicht so viele. Das ist heute ganz anders. Zunehmend können wir auch schwierigere Titel ins Repertoire aufnehmen.

Hat dazu auch der Stimmbildungsunterricht beigetragen, an dem die Sängerinnen regelmäßig teilnehmen?

Die Stimmbildung ist ganz ein ganz wichtiger Bestandteil des Chorsingens. Wir haben vor Jahren eine Umfrage gestartet, wie zufrieden die Chormitglieder sind und welche Veränderungen sie möchten. Dort war der Wunsch nach Stimmbildung mit dabei. So haben wir das angeschoben - und das es etwas bringt, merke ich als Chorleiter im positiven Sinne ganz deutlich. Unsere Stimmbildnerin Diana Möhrke macht das sehr gut.

Welche Ziele gibt es für die Zukunft?

Wir wollen einerseits immer im Rahmen eines Freizeitchores bleiben, andererseits möchten wir uns natürlich gern weiter entwickeln. Hier ist die schwierige Aufgabe die richtige Balance zu finden. Dass wir nach 10 Jahren auf einem höheren Niveau singen, zeigten zum Beispiel die zwei Weihnachtskonzerte im Großen Saal des Gewandhauses und der Peterskirche in Leipzig im Jahr 2012.

Was bedeutet für dich persönlich das Singen und die Musik?

Um mit Nietzsche zu antworten: Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. Es ist etwas ganz Wichtiges und Notwendiges im Leben eines Menschen, für dessen Körper und Geist, und zudem wunderschön.